Eine unserer Einsteller war eine ältere Dame mit einer alten Islandstute. Petra mit Hilde!

 

Für Petra als ungeübte und etwas ängstliche Reiterin war Hilde das perfekte Pferd. Sie haben nichts gemacht außer Ausreiten, meistens mit Ihrer Freundin und deren Wallach.

 

Die beiden haben dann auch einmal bei einem Ausritt einer größeren Gruppe teilgenommen. Meine Frau hat die Gruppe angeführt und ich befand mich am Ende, vor Petra mit Ihrer Hilde. An einer schönen übersichtlichen Stelle gab meine Frau das erste Mal das Kommando zum Antraben und alles trabte los.

Nach einer Weile schaute ich zurück und merkte, Petra fehlt! Ich parierte mein Pferd sofort durch, verständigte die anderen und drehte um. Ich war noch nicht weit zurückgeritten als mir Petra auf Ihrer Hilde entgegen kamen. Auf meine Frage was denn los ist meinte Petra lediglich: „Hilde hatte keine Lust zu traben!“

 

Eine Weile später kamen wir an eine Wegkreuzung, links geht es zurück zum Stall, rechts in einen wunderschönen Wald. Alles bog rechts ab, außer Petra die ging nach links. Sie rief uns nur noch über die Schulter zu „Hilde hat keine Lust mehr, wir gehen wieder nach Hause“ und war weg!

Hilde war im Gelände tatsächlich eine Lebensversicherung, aber nur wenn sie alles bestimmen konnte. Petra war eigentlich nur der Beifahrer. Wenn ein anderer Reiter auf diesem Pferd saß und etwas von ihr wollte, hat sie gebockt und gebuckelt wie ein Rodeo Pferd. Beim Hufschmied musste das Pferd regelmäßig sediert werden, ebenso wenn es um das Einsteigen in den Hänger ging. Was war nur los mit diesem Pferd? Konnte und vor allem sollte man bei einem so alten Pferd noch an der Erziehung arbeiten?

Warum zeigt dieses Pferd dieses Verhalten?

 Die Lösung kam von ganz alleine.

Petra konnte wegen Rückenschmerzen längere Zeit nicht mehr reiten. Damit Ihr Pferd aber bewegt wird, kam Sie zu mir und wir vereinbarten Bodenarbeitsstunden im Round Pen. Die erste Stunde werde ich nie vergessen!

Das Ziel war, das Hilde im entspannten Trab außen auf dem Hufschlag in linker Hand läuft. Sie können sich nicht vorstellen wie Petra geschwitzt hat. Die Hilde hat Sie nach Strich und Faden veräppelt. Sie lief in die Mitte, drehte um oder blieb einfach stehen. Das ganze ging so lange bis Petra so richtig wütend wurde. Zitat: „Das kann doch nicht wahr sein! Ich habe 4 Kinder großgezogen, da werde ich doch diesem störrischen Gaul noch beibringen können linke Hand zu laufen!“ Und plötzlich ging es! Hilde lief ganz brav linke Hand auf dem Hufschlag!

Was war der Auslöser? Petras Wut? Nein, Emotionen haben im Umgang mit Pferden nichts zu suchen und helfen uns nicht weiter. Vielmehr hatte Petra durch ihre Wut plötzlich ein klares Ziel vor Augen und dieses Ziel deutlich kommuniziert! Sie hatte endlich die Einstellung: Ich habe hier das sagen und du wirst gefälligst tun was ich will. Sie war felsenfest davon überzeugt dieses Ziel zu erreichen, um jeden Preis! Das war der ganze Trick!

Nach 6 Monaten Freiarbeit im Round Pen musste Hilde beim Hufschmied nicht mehr sediert werden und stieg in den Hänger als ob sie das noch nie anders gemacht hätte – völlig ohne Üben!! Als Petra dann wieder reiten konnte, gab es anfangs noch die eine oder andere kleine Diskussion im Gelände und dann war die Sache geklärt. Hilde war immer noch eine Lebensversicherung beim Ausreiten, aber jetzt konnte Petra bestimmen wo sie hin reiten!

Petra hat sich einmal richtig durchgesetzt, die Rangordnung gedreht und sich wie ein Leittier verhalten! Sie hat Ihrem Pferd in keiner Weise Schmerzen zugefügt aber klar gemacht: Ich bestimme die Richtung, das Tempo und wo du läufst.

Und Hilde hat sich verhalten wie ein Pferd. Endlich ein Leittier das die Verantwortung übernimmt. Endlich muss ich nicht mehr kämpfen und kann meinen Lebensabend ganz entspannt genießen!!

Betrachten Sie die Dinge mal aus der Perspektive des Pferdes:

Hufschmied ist lästig und unbequem. Warum soll ich mich da still halten?

In einen Hänger einsteigen ist unheimlich und sinnlos. Warum soll ich da rein gehen?

Weil mein Leittier das will, also ist es richtig und ich vertraue ihm!